Erkältung in der Schwangerschaft – was tun?

Die Erkältung in der Schwangerschaft hat in den kühleren Monaten Hochsaison. Besonders in der Schwangerschaft kann dies als sehr belastend empfunden werden. Hinzu kommt eine große Unsicherheit was die Therapie der Erkältung oder Schnupfen betrifft. Um ihr ungeborenes Kind nicht zu gefährden, halten viele werdende Mütter die Beschwerden tapfer ohne Behandlung aus. Das muss allerdings nicht sein!

Ist Schnupfen immer gleich Schnupfen?

Die kurze Antwort lautet: Nein. Gerade in der Schwangerschaft kann eine verstopfte Nase auch auf die hormonelle Umstellung im Körper zurückzuführen sein, ohne dass Viren mit im Spiel sind. Zudem bestehen auch Heuschnupfen und andere Allergien während einer Schwangerschaft fort. Eine Erkältung kann also verschiedene Hintergründe haben, sodass bei der Therapie unterschiedliche Ansätze in Erwägung gezogen werden können. Einige Heilmittel dürfen glücklicherweise auch während der Schwangerschaft zum Einsatz kommen.

Die klassische Erkältung

Der medizinische Fachterminus lautet Rhinosinusitis oder Common Cold und ist gleichbedeutend mit den im Alltag gebräuchlichen Begriffen Schnupfen und grippaler Infekt. Gemeint ist stets eine Infektion der oberen Atemwege, also der Nase und den Nasennebenhöhlen, deren Schleimhäute im Rahmen einer lokalen Entzündung anschwellen. Die Folge sind eine erschwerte Nasenatmung, ein Druckgefühl im Bereich der Nasennebenhöhlen sowie ein vermehrtes Naselaufen. Daneben können noch Kopf- und Gliederschmerzen auftreten sowie ein verminderter Geruchs- und Geschmacksinn. Auch Husten und Heiserkeit sowie Fieber und Abgeschlagenheit sind keine Seltenheit. Verursacht werden diese Symptome klassischerweise durch das sogenannte Rhinovirus, darüber hinaus existiert aber noch eine ganze Reihe weiterer Erkältungsviren.

Hausmittel gegen Erkältung in der Schwangerschaft

In Abwägung des individuellen Leidensdrucks muss zuerst entschieden werden, ob eine medikamentöse Therapie wirklich angezeigt ist oder ob auch Hausmittel die gewünschte Linderung herbeiführen können. Oft helfen bereits Inhalationen mit einer physiologischen Kochsalzlösung bei einer verstopften Nase, während sich Kopfschmerzen manchmal durch eine ausreichende Trinkmenge von bis zu 2 Litern täglich oder einen gemütlichen Spaziergang an der frischen Luft bessern. Auch körperliche Schonung und Entspannungsrituale wie ein gutes Buch oder ein wärmendes Vollbad können einen wertvollen Beitrag zur Wiedererlangung des körperlichen und seelischen Wohlbefindens leisten. Bei der Anwendung von Erkältungsbädern, Tees oder Einreibungen, die ätherische Öle enthalten, gilt es jedoch zu bedenken, dass diese eine wehenfördernde Wirkung entfalten können. Vorsicht ist daher geboten bei Ölen mit Extrakten aus Rosmarin, Salbei, Pfefferminze und Hibiskus.

Medikamente gegen Erkältung in der Schwangerschaft

Der verstopften Nase als Leitsymptom einer Erkältung darf in jedem Trimenon mit abschwellenden Nasentropfen Abhilfe geschaffen werden. Die Anwendung von Präparaten mit den Wirkstoffen Xylometazolin oder Oxymetazolin ist jedoch auf wenige Tage zu beschränken, da sonst Gewöhnungseffekte bis hin zu einem dauerhaften, arzneimittelinduzierten Schnupfen auftreten können.

Als besonders belastend wird Husten während einer Erkältung empfunden. Für Schwangere eignet sich in jedem Trimenon nach derzeitiger Datenlage der Wirkstoff Dextromethorphan, der beispielsweise in den Hustenpastillen von Wick® oder in Silomat DMP® enthalten ist. Die Anwendung sollte jedoch auf wenige Tage beschränkt werden, weil ein geringes Suchtpotential nicht auszuschließen ist. Auch Ambroxol wie beispielsweise in Mucosolvan® oder Mucoangin® darf als Schleimlöser in jeder Phase der Schwangerschaft zum Einsatz kommen. Nicht empfohlen werden aufgrund mangelnder Daten pflanzliche Präparate mit Thymian- und Efeu-Extrakten. Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich um alkoholhaltige Mixturen handelt. Bei Schmerzen und Fieber im Rahmen einer Erkältung in der Schwangerschaft ist Paracetamol das Mittel der ersten Wahl.

Allergischer Schnupfen

Wer bereits vor der Schwangerschaft mit Allergien oder Heuschnupfen zu kämpfen hatte, empfindet die charakteristischen Symptome wie beispielsweise Naselaufen oder Augentränen meist im zweiten Trimenon als besonders ausgeprägt, was dem veränderten Hormonhaushalt geschuldet ist. Allergien können jedoch auch erstmals in der Schwangerschaft auftreten, was der besonderen physischen Belastung der werdenden Mutter zugeschrieben wird. Um eine neu aufgetretene Allergie zu diagnostizieren, sollte jedoch aufgrund der Gefahr eines so genannten anaphylaktischen Schocks, der einem potentiell lebensbedrohlichen „Kreislaufkollaps“ gleichkommt, von Hauttests Abstand genommen werden. Bluttests sind für Schwangere somit das diagnostische Mittel der Wahl.

Therapie des allergischen Schnupfens in der Schwangerschaft

Ist der Auslöser einer allergischen Reaktion bekannt, gilt es selbstverständlich, diesen so gut es geht zu meiden. Falls vor der Schwangerschaft bereits eine sogenannte Hyposensibilisierung vorgenommen wurde, ist gegen eine Fortführung in der Schwangerschaft nichts einzuwenden, sofern die Behandlung stets gut vertragen wurde. Von einer erstmaligen Hyposensibilisierung sollte in der Schwangerschaft jedoch abgesehen werden. Wie bereits erwähnt, spricht die derzeitige Datenlage auch nicht gegen den kurzfristigen Gebrauch von abschwellenden Nasensprays in der Schwangerschaft, selbst wenn diese eine gewisse Menge an Cortison enthalten, wie beispielsweise Budesonid oder Mometason.

Auch Sprays, die Cromoglycinsäure enthalten und etwas weniger stark abschwellend wirken, dürfen in jedem Trimester angewandt werden. Wer bei der Bekämpfung allergischer Symptome bereits auf den Einsatz von Tabletten zurückgegriffen hat, darf dies während der Schwangerschaft weiterhin tun, sofern es sich um Loratadin oder Cetirizin handelt, also Wirkstoffe aus der Gruppe der sogenannten Antihistaminika. Auch bei Clemastin gibt es keine Hinweise auf mögliche Schädigungen des ungeborenen Kindes, jedoch macht dieser Wirkstoff müde und sollte daher eher als Mittel der zweiten Wahl zum Einsatz kommen.

Schnupfen in der Schwangerschaft, der sogenannte Schwangerschaftsschnupfen, treten bei ca. 30% der Schwangeren ohne Infektion auf.

Schnupfen in der Schwangerschaft: der Schwangerschaftsschnupfen

Bei etwa 30% aller Schwangeren treten unabhängig von Viren oder Allergien Erkältungssymptome im Sinne einer verstopften bzw. laufenden Nase auf, die mitunter als sehr störend empfunden werden. Die gute Nachricht ist jedoch, dass die Beschwerden nach der Geburt binnen weniger Wochen von selbst wieder verschwinden. Zurückzuführen ist der Schwangerschaftsschnupfen höchst wahrscheinlich auf den stark erhöhten Östrogenspiegel. Durch die Zunahme des Blutvolumens im Körper und die Mehrdurchblutung der Nasenschleimhäute schwellen diese an. Die Folge ist eine erschwerte Nasenatmung. Gelegentlich kann es auch zu Nasenbluten kommen. Zudem ist die Produktion von Nasensekret erhöht, sehr zur Freude der Taschentuchindustrie… Ein wichtiges Unterscheidungskriterium zum viralen und allergischen Schnupfen ist das Fehlen von Begleitsymptome wie Husten, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber.

Lindernde Maßnahmen bei Schnupfen in der Schwangerschaft

Sollte es aus gynäkologischer Sicht keine Gegenanzeigen geben, kann leichte körperliche Betätigung die Symptome lindern. Zudem sollte auf eine ausreichende Trinkmenge von bis zu 2 Litern täglich geachtet werden. Bewährt haben sich auch eine Raumtemperatur um 20 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 50-80%. Beim Schlafen sollte der Kopf leicht erhöht gebettet werden.

Hausmittel bei Schwangerschaftsschnupfen

Nachdem die Symptome des Schwangerschaftsschnupfens mehrere Monate bestehen können, dürfen medikamentös abschwellende Nasentropfen, wie sie beim viralen Schnupfen zum Einsatz kommen, nicht angewandt werden. Stattdessen sollte auf Nasenduschen bzw. Inhalationen mit physiologischer Kochsalzlösung zurückgegriffen werden. Vom Einsatz von Kamillentee ist beim Inhalieren aufgrund möglicher allergischer Reaktionen abzuraten. Aus diesem Grund ist auch beim Zusetzen ätherischer Öle Vorsicht geboten. Hinzu kommt, dass diese, wie bereits erwähnt, eine wehenfördernde Wirkung entfalten können.

Dieser Artikel stellt kein Ersatz zum Arztbesuch dar. Falls du dich unwohl oder unsicher fühlst, gehe bitte zum Arzt und lasse dich dort beraten.

Quellen:
Allergiecheck.de: (04.11.2019). Allergie in der Schwangerschaft. Verfügbar unter: https://allergiecheck.de/allergie-bei- kindern/allergie-der-schwangerschaft [12.11.2020]

Nemat, K.: (10.09.2018). Allergie – Medikamente in der Schwangerschaft. Verfügbar unter: https://www.allergieinfor mationsdienst.de/vorbeugung-schutz/schwangerschaft/allergie-medikamente.htmlmationsdienst [12.11.2020]

Pharmazeutische Zeitung: (22.09.2015). Obere Atemwegsinfekte: Leitlinie zur Behandlung 2.0. Verfügbar unter: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-392015/leitlinien-zur-behandlung-20/  [12.11.2020]

Pharmazeutische Zeitung: (18.11.2019). Schwanger und erkältet: Selbstmedikation mit Augenmaß. Verfügbar unter: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/selbstmedikation-mit-augenmass/ [12.11.2020]

Schweikart, J.: Schwangerschaftsrhinitis. Verfügbar unter: https://www.schnupfen.net/in-der-schwangersc … haft/schwangerschaftsschnupfen/ [12.11.2020]

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