So feierst du Silvester mit Baby und Kleinkind richtig

Zu Silvester knallen nicht nur die Korken, was für die Ohren der Kleinsten nicht ganz ungefährlich ist. Zudem kann die intensive Geräuschkulisse Stress verursachen. Aber mit dem nötigen Know How gelingt der Spagat zwischen Laut und Leise bzw. Spaß und Sicherheit in jedem Alter. Und so feierst du Silvester mit Baby und Kleinkind.

Der Brauch, das Neue Jahr möglichst laut zu begrüßen, entspringt der vorchristlichen animistischen Vorstellung, auf diese Weise böse Geister zu vertreiben. An Raketen und Knallkörpern wird daher nicht gespart, sofern die örtlichen Vorschriften dies zulassen. Eltern sind jedoch oft dahingehend verunsichert, wieviel Lärm sie ihren Baby zu Silvester zumuten dürfen, ohne deren Gehör zu schädigen. Hinzu kommt, dass ein tosendes Feuerwerk auf Babys und Kleinkinder durchaus furchteinflößend sein kann. Und auch Schwangere fragen sich, ob sie Silvesterraketen aus der Nähe bestaunen dürfen, ohne ihr Ungeborenes dadurch zu gefährden bzw. es unnötigem Stress auszusetzen. Oder macht man bei diesen Bedenken viel Lärm um nichts? Die kurze Antwort lautet: „Jein“.

Hören beginnt im Mutterleib

Wie steht es um das ungeborene Baby an Silvester? Dass Föten bereits nach wenigen Wochen den Herzschlag und die Stimme der Mutter wahrnehmen, daran besteht kein Zweifel. Spanische Wissenschaftler fanden heraus, dass Ungeborene zudem ab der 16. Schwangerschaftswoche auf die Beschallung mit Musik reagieren, indem sie beginnen, sich zu bewegen oder sogar die Zunge herausstrecken. Ab der 24. Woche nehmen sie die Stimme von Menschen wahr, die in normaler Lautstärke mit der Mutter sprechen. Niedrigfrequente Töne wie Vokale werden dabei besser wahrgenommen als hochfrequente Laute wie beispielsweise das Zischen mancher Konsonanten.

Silvester mit Baby und Kleinkind. Auch Ungeborene hören mit.

Kann Lärm den Fötus schädigen?

Amerikanische Wissenschaftler fanden heraus, dass die Bauchdecke, das Fruchtwasser sowie der Kopf des Fötus den eindringenden Schall abdämpfen. Interessanterweise sind uns Schafe was das Gehör betrifft, sehr ähnlich, sodass an ihnen untersucht wurde, ob laute Geräusche für Ungeborene schädlich sein können. Die Forscher stellten fest, dass Schafe, die im Mutterleib wiederholt mit Industrie- oder Waffenlärm beschallt wurden, mit geschädigten Haarsinneszellen im Innenohr geboren wurden, was deren Hörvermögen lebenslang beeinträchtigte. Hieraus lässt sich für Schwangere die Empfehlung ableiten, dauerhaften Lärm zu meiden und beispielsweise laute Konzerte nicht regelmäßig zu besuchen. 

Wenn Schall schadet

Unser Gehör verfügt über Strukturen, die Geräusche bis 95 Dezibel effizient dämpfen, um so einer Schädigung der Hörsinneszellen im Innenohr vorzubeugen; dies entspricht in etwa der Lautstärke einer Holzfräsmaschine. Zum Vergleich: Flüstern bewegt sich im Bereich von 40 Dezibel, ebenso wie das Surren eines Kühlschranks. Sprechen wir in normaler Lautstärke, tun wir dies bei circa 65 Dezibel. Stress bzw. Lärm empfinden wir ab einem Pegel von 85 Dezibel, was in etwa einer viel befahrenen Hauptstraße entspricht. Ein Rockkonzert oder eine Motorsäge schlagen mit circa 110 Dezibel zu Buche.

Die Schmerzgrenze der Ohren liegt bei 120 Dezibel. Extrem laute Geräusche, die wenige Millisekunden andauern und dabei einen sehr hohen Schalldruck von 130 bis 170 Dezibel entfalten, können zu Verletzungen des Innenohrs führen, die das Hörvermögen dauerhaft schädigen. Zu den betroffenen Strukturen können neben den Haarsinneszellen auch die Gehörknöchelchen zählen. Man spricht dann von einem Knalltrauma. Reißt gar das Trommelfell ein, spricht man von einem Explosionstrauma

Silvester mit Baby: Wie laut knallt‘s zu Silvester?

Ein Feuerwerkskörper, der unmittelbarer Nähe gezündet wird, entfaltet einen Schalldruck um 120 Dezibel und kann ein Knalltrauma verursachen. Dieses fühlt sich an wie ein Druckgefühl im Ohr, so als wäre es verstopft. Zudem kommt es zu einer Überempfindlichkeit von Geräuschen. Schwindel und Störungen des Gleichgewichts können ebenso auftreten, wie ein Pfeifton (Tinnitus). Letzterer kann neben einer Hörminderung dauerhaft bestehen bleiben.

Silvester sicher feiern mit Baby und ungeborenem Kind

Einmal mehr lautet die Empfehlung an Eltern daher, beim Bewundern des Silvesterspektakels mit ihren Kindern auf einen gewissen Sicherheitsabstand zu achten. Wer den Kleinen die Begeisterung beim privaten Zünden von Raketen und Böllern dennoch nicht vorenthalten möchte, sollte auf einen kindgerechten Gehörschutz nicht verzichten. Im Idealfall verschläft das Baby Silvester. Sollte es jedoch keinen Raum geben, in dem für die nötige akustische Abschottung gesorgt werden kann, empfiehlt es sich auch hier, einen speziell auf die kleinsten angepassten Gehörschutz zu benutzen. Für Schwangere gilt: Wer das Silvesterfeuerwerk aus der Ferne bestaunt und nicht selbst mit Knallkörpern um sich wirft, ist auf der sicheren Seite.

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