Fairwindel auf dem Kompost – Das Kompost-Experiment Teil 2

Vor 2,5 Jahren haben wir unser Windelexperiment gestartet und unsere nachhaltige Windeln Fairwindel dem biologischen Abbau im Kompost überlassen. Es ist also höchste Zeit nachzuschauen, was von der Windel übrig geblieben ist. Selbst wir waren erstaunt, was wir (nicht) fanden.

Unser 100% kompostierbarer Saugkern

Unsere Community der ersten Stunde kann sich bestimmt noch an den Start am 24. Mai 2016 des Windelexperiments erinnern.

nachhaltige Windeln
Die Fairwindel im gelben Netzchen im Kompost

Wir wollten sehen, was von der teilweise kompostierbaren Windel übrig bleibt. Im Artikel Ab auf den Kompost (wie Wiona) haben wir das erste Mal darüber berichtet. Die damals zu 80% biologisch abbaubere Windel aus nachwachsenden Rohstoffen haben wir den Mikroben und Würmern im Kompost überlassen. Wir waren sehr überrascht schon nach 81 Tagen einen vollkommen zersetzten Saugkern zu sehen. Denn der Saugkern ist durch unser Sauggel aus nachwachsenden Rohstoffen 100% kompostierbar, nicht wie bei den herkömmlichen (Bio-)Windeln. Da wird noch immer der erdölbasierte Superabsorber (SAP) verwenden, auch wenn dieser bei Biowindeln oft nicht klar deklariert wird.

Nach 851 Tage im Kompost

Rückblick:  81 Tagen nach dem Start des Experiments war der Saugkern komplett zersetzt. Der Saugkern bestand aus einem Mix von Zellulose und unserem erdölfreien Superabsorber. Die nachhaltige Windel lag weitere 770 Tage im Kompost, war Wind und Wetter ausgeliefert. Die gesamte Dauer betrug 851 Tage oder 2 Jahre und 3 Monate und 29 Tage.

Wir waren sehr gespannt, was von der Fairwindel noch übrig war. Mit einer Hacke machten wir uns vorsichtig auf die Suche im Kompost. Wir trugen Schicht um Schicht des Grünguts ab, stießen etwas weiter unten auf beste Komposterde.

Irgendwo hier muss sie doch sein? Wir arbeiteten uns weiter vor. Nach etwa drei Viertel durch die Komposterde lugte das gelbe Netzchen hervor, wo ich die Windel reingetan habe.

Das fanden wir von der nachhaltigen Windel

Aufgeregt zogen wir am Netz und schüttelten die Erde ab. Ein ganz kleines, schrumpeliges Etwas lag im Netzchen. Es war kaum größer als eine Streichholzschachtel und wog fast nichts. Nach dem auseinanderfalten des gut gepressten Stücks waren wir buff: Von der ganzen Windel blieb ein Vlies übrig.

Nachhaltige Windeln
Das blieb von der Fairwindel nach 2,3 Jahren übrig.

Das Vlies ist dafür verantwortlich, die Flüssigkeit auf die ganze Fläche der Windel zu verteilen und zum Saugkern zu transportieren. Auch die Gummibänder waren noch intakt. Diese Komponenten sind noch nicht nachhaltig. Wir haben aber damit gerechnet, sie im Kompost vorzufinden. Eine große Überraschung war für uns die Aussenfolie: Sie war komplett verschwunden und biologisch abgebaut, obwohl die Kompostbedingungen nicht optimal waren.

Was von der Windel übrig blieb, wog nicht einmal 5 Gramm, nachdem es durch Waschen von der Erde gesäubert und getrocknet wurde.

Fazit

Unser Experiment überraschte uns. Wir rechneten damit, dass wir mehr von der Windel finden. Was nach 2,3 Jahren von der Fairwindel übrig blieb, waren die nicht-abbaubaren Bestandteile; das Verteilervlies, die Klettverschlüsse und die Gummibänder. Unser Saugkern war sogar nach 81 Tagen komplett verschwunden. Und das sogar im normalen, häuslichen Kompost.

Die Herausforderung für die Zersetzung im Kompost ist die Oberfläche. Wenn die Windel als kompaktes Paket im Kompost landet, müssen die Mikroorganismen sich von aussen nach Innen arbeiten, was länger dauert. Wir haben auch gesehen, dass die Mischung mit Grün- und Küchengut für einen besseren Abbau sorgt und den Kompost auflockert, sprich die Angriffsfläche erhöht.

Die Bedingungen in unserem Kompost waren alles andere als optimal. Und wir haben den Kompost auch nicht durchgemischt, wie es empfohlen wird. Dies hätte den Prozess weiter beschleinigt. Wir haben auch nicht auf die perfekte Feuchtigkeit, Temperatur oder pH geachtet. Es war ein ganz normaler Hauskompost. Die Würmer fühlten sich sehr wohl darin, wie die unteren Schichten des Komposts zeigten.

Nachhaltige und kompostierbare Windeln sind ein wichtiger Teil für eine plastikfreie Gesellschaft. Der andere Teil sind staatliche Regulierungen und Politik. Nach aktueller Gesetzeslage verbietet die Düngemittelverordnung das Einbringen von menschlichen Fäkalien in die Natur. Die beinhaltet also auch das Kompostieren dessen. Deswegen wird es noch eine lange Weile dauern, bis die Fairwindel in die Biotonne darf. Und stellt euch die gigantischen Maßen an Windeln vor: 1 Tonne Windelabfall pro Kind. Dies kann nur mit einer industriellen Kompostierung funktionieren.

Wir bleiben weiter an unserer Vision dran, eine kompostierbare Windel zu entwickeln. Momentan sind wir bei über 83% und verwenden Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen.