Ab auf den Kompost (wie Wiona?)

In den letzten Wochen erhielten wir einige Emails zur Kompostierbarkeit unserer Fairwindel. Auch die Aussage, dass “doch die Wiona kompostierbar sei?” wurde an uns herangetragen.

Bevor ich über die Kompostierbarkeit der Fairwindel berichte (wir hatten im Frühjahr eine neue Testreihe gestartet), möchte ich auf die Wiona eingehen. Die Wiona Babywindel besteht zu Teilen aus biologisch abbaubaren Materialien, wie wir das im Artikel Wie viel Öko steckt in Öko-Windeln beschrieben haben. Diese Biowindeln verwenden nach wie vor den erdölbasierten Superabsorber. Das ist ein Kunstoff, welcher sehr viel Flüssigkeit aufnehmen kann. Nur leider baut er sich nicht zeitnah ab.

Der Saugkern der Fairwindel ist erdölfrei und biologisch abbaubar. Gleiches gilt für die Aussenhülle der Fairwindel. Erzählen können wir euch aber viel, du willst sicherlich Fakten sehen.

Am 24. Mai starteten wir eine neue Testreihe. Eine mit Urin volle Fairwindel wird in ein Netz verpackt und in den hauseigenen Kompost gemischt.

Fairwindel Kompost Wiona
Abbildung 1: Experiment kann starten: Die volle Fairwindel im Kompost am ersten Tag

Jetzt hieß es warten und den Kompost weiter mit Grünzeugs füttern. Wir überließen den Kompost den Experten; den Mikroorganismen wie Pilzen, Bakterien und Kompostwürmer.

Was passiert jetzt im Kompost

Die Mikroorganismen machen sich an die Arbeit und bauen die organischen Stoffe ab. Das heißt, es werden enzymatisch Verbindungen getrennt. Das stellt man am besten so vor, als wenn wir mit ganz kleinen Scheren das Material zerkleinern, nur auf molukalerer Ebene. Dabei entsteht Wärme. Wer schon einmal einen Haufen Rasenschnitt umgedreht hat, kennt das Phänomen. Dies hilft den Mikroorganismen bei der Arbeit. Nach wenigen Wochen kommen Bodentiere wie Würmer dazu, um sich zu ernähren und zu vermehren. Auch sie helfen beim Kompostierprozess.

Der Abbau funktioniert optimal mit einer bestimmten Feuchtigkeit und Temperatur. Also einem Milieu, in dem sich die Mikroorganismen wohl fühlen. Ist es zu feucht, laufen andere Prozesse ab (Gärung/Fermentation). Das ist dann am Geruch gut zu erkennen 😉

Das haben wir nach 81 Tagen im Kompost gefunden

Nach langem Suchen und Wühlen im Kompost fanden wir das kleine Netz wieder. Es war von der Erde sehr braun sah nicht mehr wirklich appetitlich aus. Es ist aber gut zu sehen, dass die Mikroorganismen an der Arbeit sind und die Fairwindel Stück für Stück zerlegen.

Die Windel fühlt sich dünner an, also mussten wir mal reinschauen. Und tatsächlich. Wo zu beginn der Saugkern aus Zellulose und dem Sauggel aus nachwachsenden Rohstoffen war, ist jetzt eine braun-schwarze Pampe. Der Abbau ist hier schon sehr weit fortgeschritten. Den Anblick ersparen wir euch!

Die Folie sah noch relativ intakt aus. Aber! Bei genauerem Hinschauen ist auch hier der Abbau klar zu sehen.

Abbau Biofolie
Abbildung 2: Nach 81 Tagen zeigt die Biofolie schon einen klaren Abbau an den Rändern. Die Windel beginnt auseinander zu fallen.

Die Mikroorgansimen haben eine Herausforderung. Sie müssen sich durch die einzelnen Schichten der Windel durcharbeiten, was etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt als bei losem Material. Welche Schichten das sind, haben wir im Artikel Wie funktioniert eine Windel erklärt.
Biofolie ist nicht gleich Biofolie. Einige Folien zerfallen nur unter den definierten Bedingungen von industriellen Kompostierungsanlagen. Das betrifft z.B. die “Bio-Einkaufstüten”. Das Bundesamt für Umwelt hat das in einem interessanten Artikel erklärt. Für die Fairwindeln legen großen Wert darauf, eine leicht kompostierbare Folie zu verwenden. Auch hier suchen und forschen wir weiter um eine noch bessere Balance zwischen guter Abbaubarkeit und Nässesperre zu finden.

Fazit

Der Abbau der Windel läuft schneller, als wir erwartet haben. Der Saugkern ist nach 81 Tagen nahezu abgebaut. Wir sind bisher von 90 Tagen ausgegangen. Die Biofolie wird abgebaut und die Windel zerfällt langsam in ihre Einzelteile. Um den Abbauprozess zu beschleunigen, müsste wir für unseren Kompost die perfekten Abbau-Bedingungen finden wie Temperatur, Feuchtigkeit und Mikroorganismen. Das überlassen wir aber lieber den Profis. Eine Studentin macht zurzeit mit der Fairwindel Kompostierversuche. Wir sind sehr auf ihre Ergebnisse gespannt.

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Beitragsbild: Pixabay.com