Ist Mikroplastik gefährlich?

Mikroplastik ist überall: es steckt in Kosmetikprodukten, Essen, Trinkwasser und in der Luft und kann auch aus dem in herkömmlichen Windeln enthaltenem Superabsorber entstehen. Mikroplastik nehmen wir täglich zu uns. Wir merken aber nichts davon. Was bedeutet das für unsere Gesundheit? Ist Mikroplastik gefährlich?


KEYPOINTS

  • Mikroplastik wird nach Entstehung in primäres und sekundäres Mikroplastik unterteilt
  • Mikroplastik ist in Alltagsgegenständen wie Kosmetika enthalten
  • Wir nehmen es über das Essen, Trinken und die Luft auf
  • Die Gefahr durch Mirkoplastik wird durch die Wissenschaft erforscht. Langzeitstudien werden weitere Daten zur Gesundheitsgefährung liefern.

Was ist Mikroplastik?

Für Mikroplastik gibt es keine offizielle Definition. Laut Bundesinstitut für Risikobeurteilung (BfR) werden mikroskopisch kleine Plastikteile (Kunststoffe) mit einen Durchmesser kleiner als fünf Millimeter gemeint. Mikroplastik kann in zwei Kategorien, primäres und sekundäres Mikroplastik, unterteilt werden:

  1. Primäres Mikroplastik
    Mikroplastik wird als Produktzusatz verwendet. Zum Beispiel in Kosmetika, Zahnpasta, Windeln.
  2. Sekundäres Mikroplastik
    Mikroplastik, welches durch den Zerfall von Kunststoffprodukten (aus Plastikmüll) entsteht.
Mikroplastik gefährlich im Meer
Wie kommt das Plastik ins Meer? Einträge von primären und sekundären Mikroplastik in die Ozeane. (Grafik: eskp.de CC BY 4.0)

Was viele nicht wissen: Diese synthetischen Polymere sind in vielen Kosmetik- und Verbraucherprodukten enthalten, wie in Peelings, Duschgelen, Babyhampoo, Sonnencremes. Auch als Gelbilder, Füllstoff oder Bindemittel wird es verwendet. Mikroplastik ist sogar in Reinigungsmittel enthalten. Es entsteht auch durch Abrieb von Reifen oder Schuhsohlen, oder beim Waschen von synthetischen Textilien. Wer bei den Produkten nicht genau auf die Inhaltsstoffe achtet, bleibt das Mikroplastik im Produkt oft verborgen. Die Zusammensetzungsliste der Produkte gibt Aufschluss über den Inhalt von Mikroplastik. Schau bei den Inhaltsstoffen zum Beispiel nach Polyethylen, Nylon-12, Acrylate Copolymer oder Sodium acrylate.

Inhaltsstoffe Mikroplastik gefährlich
Inhaltsstoffe einer Feuchtigkeitscreme mit enthaltenem Acrylat Crosspolymer (Foto: fairwindel)

Mikroplastik in Windeln?

Acrylat Copolymer oder Sodium Acrylate kommt dir sicherlich bekannt vor? Damit die herkömmliche Babywindeln die augeschiedene Flüssigkeit aufnehmen und speichern kann, wird genau dieses Polymer verwendet: Polyacrylate oder auch Superabsorber (SAP) genannt. Wir haben uns in einem anderen Artikel näher mit dem SAP beschäftigt – hier klicken. Der in der Windel enthaltene Superabsorber ist ein auf erdölbasis synthetisch hergestellter Kunststoff. Wie alle Kunststoffe ist er nicht biologisch abbaubar. Der Superabsorber ist auch in Öko-Windeln enthalten: Wie ökologisch sind Öko-Windeln?
Sind die Superabsorber-Teile kleiner als 5 Millimeter, könnte man von Mikroplastik sprechen. Wird die Windel ordnungsgemäß entsorgt, besteht für die Umwelt eine geringere Gefahr.

Wir essen täglich Mikroplastik

Das primäre Mikroplastik gelangt praktisch ungehindert in unsere Gewässer. Kläranlagen können bisher die kleinen Kunststoffpartikel nur begrenzt aus dem Abwasser herausfiltern und gelangen so auf die Felder und in die Luft.

Mikroplastik und andere Müllpartikel aus Sedimenten mitteleuropäischer Flüße (Foto: Wagner et al, CC-BY 4.0)

Mikroplastik entsteht auf dem sekundären Weg durch mechanische Zerkleinerung von größeren Plastikteile und durch Strahlungseinwirkung (Sonnenlicht). Große Mengen an Kunstoffen schwimmen heute schon in Seen und Meeren. Sie werden durch Wellen und UV-Strahlung zerkleinert und werden zu Mikroplastik.

Diese Plastikteilchen haben die negative Eigenschaft, Schadstoffe wie Pestizide oder andere giftigen Chemikalien aufzunehmen und zu konzentrieren. Diese werden von Lebewesen aufgenommen und gelangen in unsere Nahrungskette.

Wir essen jede Woche eine Kreditkarte

Die Forscher der Universität Newcastle (Australien) schätzen, dass wir bis zu 5 Gramm der winzigen Teilchen pro Woche über die Nahrung, Trinkwasser oder Luft aufnehmen. Wir essen jede Woche eine Kreditkarte. Sie wiegt etwas fünf Gramm. Die meisten Plastikteile nehmen wir über das Trinkwasser auf, zeigt eine im Fachblatt “Environmental Science & Technology” (EST) veröffentlichte Studie.

Ist Mikroplastik gefährlich?

Beide oben erwähnten Studien enthalten keine Informationen über die Auswirkung von Mikroplastik auf unsere Gesundheit. Dies muss zunächst erforscht werden. Es fehlen Forschungsdaten über einen längeren Zeitraum. Mikroplastik ist vorsichtig ausgedrückt “zu neu”. Auswirkungen auf den menschliche Gesundheit ist weitgehend unbekannt, schreiben die Forscher der EST-Studie. Es seien mögliche Ursachen für Schäden schon beschrieben worden. Die beiden Studien lassen keine Rückschlüsse auf Deutschland zu. Das BfR will mögliche negative Auswirkungen nicht ausschliessen und geht davon aus, dass die Datenlage in den nächsten Jahren deutlich wachsen wird.

Mikroplastik mit einer Größe von wenigen Mikrometern können direkt von Zellen in die Lunge in den Darm aufgenommen werden, schreibt die EST-Studie. Größere Polymere im menschlichen Körper reagieren nach einem Aufsatz von Alfonso Lampen vom BfR nicht. Interessantes Video zum Thema: Mikroplastik in Lebensmitteln – Alfonso Lampen [Video YouTube]

Mikroplastik nimmt gefährliche Chemikalien auf

Ist nun Mikroplastik gefährlich? Die Form und Größe ist ausschlaggebend. Die Forscher haben einen anderen Aspekt nicht berücksichtigt: Plastik bindet Chemikalien. Anders ausgedrückt nimmt das Mikroplastik die gefährlichen Chemikalien aus dem Wasser auf. In einem kürzlich veröffentlichten Paper beschreibt Wang et al. die Aufnahme von Chemikalien und Schwermetallen im Mikroplastik. Forscher fordern dieses Problem dringend anzugehen. In ihrer Publikation “Marine litter plastic and microplastics and their toxic chemicals components” schreiben sie, dass die Gefahr nicht nur für unsere Gesundheit, sondern für das ganze Ökosystem besteht.

Fazit

Ob Mikroplastik gefährlich ist, lässt sich (noch) nicht beantworten. Ich möchte aber noch etwas in die Zukunft schauen. Bei der Betrachtung der globalen Plastikproduktion ist eines klar zu erkennen: Die Menge des Plastik wächst unhaltsam exponentiell an. Die Entstehung von Mikroplastik folgt etwas verzögert. Im Jahr 2014 war die Plastikproduktion weltweit bei 311 Millionen Tonnen und bis 2050 werden es wohl 1800 Millionen Tonnen sein. Die Forscher nehmen an, dass sich das Plastik im Ozean schon in 5 Billionen Fragmente zerlegt hat (1 Billion = 1.000.000.000.000). Und dieses Mikroplastik lässt sich nicht abtrennen.

Mikroplastik gefährlich produktion
Weltweite Plastikproduktion und die zukünftigen Trends (Grafik: Environ Sci Eur. 2018; 30(1): 13.)

Was können wir abschliessend sagen? Ist Mikroplastik gefährlich? Die Forschung hat keine genauen Resultate. Es braucht noch einige Jahren, bis genug Daten vorliegen. Langzeiteffekte sind erst ab 10 bis 20 Jahre festzustellen. Dass wir jetzt schon eine Kreditkarte pro Woche essen, ist Fakt.

Ich will den Planeten für meine Kinder in einem besseren Zustand hinterlassen, als ich ihn angetroffen habe!

Dominic von Fairwindel

Was mir aber mehr sorgen bereitet ist, dass mehr und mehr (Mikro-)Plastik in unser Ökosystem und somit in unsere Ozeane gelangen. Durch Wellen und Sonneneinstrahlung wird aus den größeren Plastikstücken Mikroplastik. Dieses Mikroplastik reichert sich mit Chemikalien an. Wir dürfen nur hoffen, dass wir dieses Mikroplastik nie zu uns nehmen. Wenn ich aber die obere Grafik anschaue, sinkt die Wahrscheinlichkeit von Monat zu Monat sehr schnell. Das aller wichtigste ist, dass wir uns dieser Gefahr bewusst sind. Unsere Kinder und deren Kinder haben ein Anrecht auf einen intakten Planeten! Ich will den Planeten für meine Kinder in einem besseren Zustand hinterlassen, als ich ihn angetroffen habe!

Beitragsbild: ergänzt: Pixabay by Hans under the Pixabay Licence