Unsere Müllbilanz 2015 – ist das normal?

Ein Jahr im eigenen Haus. Ein Jahr mit eigener Mülltonne. Was für ein Fest 🙂

Rückblickend war 2015 das erste Jahr, in dem unser Müllverbrauch für uns transparent wurde. Die Jahre im Mehrfamilienhaus hatten unser Empfinden für Müllmengen nahezu ausgelöscht. Riesige Mülltonnen wurden zwei mal pro Woche geleert.

Hier auf dem Land fährt unser lokaler Entsorger nur alle zwei Wochen durch die Straßen und sammelt ein, was wir zu entsorgen haben. Während manche Haushalte jeden Entleerungstermin nutzen, scheinen andere Nachbarn gar keinen Restmüll zu produzieren. Jedenfalls ist die Tonne (gefühlt) nie zu sehen.

Nach anfänglicher Irritation über die sehr unterschiedlichen Müllmengen der Nachbarn, schaute ich genauer in die Mülltonne. Es ist also Zeit für eine Zwischenbilanz und Ausblick, wie es bei uns weiter gehen kann.

Unsere Tonnen

Wir haben die “kleine” Graue bestellt. 120 Liter Fassungsvermögen, 2 Rollen und ein Deckel. Immerhin. Geleert wird sie alle zwei Wochen von einem großen blauen LKW mit automatischem Arm. Vorausgesetzt, wir rollen sie an den Straßenrand mit der Öffnung zur Strasse.

Außerdem haben wir eine 240 Liter Tonne für Papier und Pappe, die alle 4 Wochen entleert wird. Und gelbe Säcke, die alle 14 Tage die Straßenränder säumen.

Dafür zahlen wir im Jahr 18 Euro Grundgebühr pro Person und Jahr. Vier Entleerungen und eine optionale Sperrmüllabholung sind inklusive.

Jahreskosten: 4 Personen x 18 Euro = 72 Euro Grundgebühr.

Die Bilanz 2015

Im vergangenen Jahr haben wir unsere kleine Graue 17 Mal an den Straßenrand gerollt. Also 13 “zusätzliche” Entleerungen.

17 x 120 Liter Restmüll ergaben im Jahr also 2.040 Liter. Bei 4 Personen sind das 510 Liter pro Nase. Wahnsinn. 510 Liter Müll!

Kosten:  4,80 Euro x 13 Zusatzentleerungen = 62,40 Euro.

Die Papiertonne wurde 10 Mal geleert. Das entspricht ca. 10 x 240 Liter = 2.400 Liter Papier”Müll”. Da wir Zeitungen nur digital lesen sind das nahezu ausschließlich Werbeblätter und Pappverpackungen.

Kosten: 0 Euro. (Bereits in der Grundgebühr enthalten.)

Gelbe Säcke werden ebenfalls 14-tägig abgeholt. Ich habe sie leider nicht gezählt, im Schnitt haben wir etwa 1,5 Säcke in 14 Tagen. Das entspricht etwa 39 Säcken im Jahr. Ein gefüllter Sack, der zugeknotet wird, fasst ca. 60 – 80 Liter. Damit haben wir also 39 x 70Liter = 2.730 Liter Verpackungsmüll entsorgt.

Kosten: 0 Euro. Die Entsorgungskosten sind im verpackten Produkt einkalkuliert.

In Summe entstanden bei uns in 2015 also

ca. 2040 Liter Restmüll

+ ca. 2.730 Liter Verpackungsmüll

+ ca. 2.400 Liter Papier- & Pappverpackungen

= 7.170 Liter entsorgter Müll im Jahr 2015 für 4 Personen.

Gesamtkosten: 72 Euro Grundgebühr + 62,40 Euro Restmüllentsorgung = 134,40 Euro

Ist der Betrag für die Menge Müll nicht zu gering?

Das landet in unserem Restmüll

Bleibt die Frage, was zu über 2000 Litern Restmüll in einem Jahr geführt hat. Im Groben sah es so aus:

  • ca. 2/3: Babywindeln (damit wären wir beim Beginn der Fairwindel-Geschichte…).
  • ca. 1/6: Speisereste, die nicht auf den Kompost sollen (Fleisch, Fisch, Gekochtes)
  • ca. 1/6: Verbrauchsgegenstände (ausgediente Zahnbürsten, Stifte, Knete, Spielzeuge / zerbrochene Dinge wie Tassen & Teller / Staubsaugerbeutel, Papiertachentücher)
    und Reste von Bauabfällen (Fliesen, Betonreste und dergleichen)

Unser Verbrauch im Vergleich

Laut dem statistischen Bundesamt fielen im Jahr 2014 ganze 618 Kilo Abfall pro Kopf in Deutschland an. Mitgezählt wurden Haushaltsabfälle, vergleichbare Abfälle aus Gewerbe und Industrie sowie Verpackungsabfälle. Der europäische Durchschnitt lag “nur” bei 481 Kilo pro Kopf im Jahr.

Da unser Müll nicht gewogen wird, kann ich nur eine Schätzung abgeben, wie schwer er war. (Hier habe ich eine Übersicht zur Umrechnung von Müll-Volumen auf Gewicht gefunden.)

Restmüll: Für eine 120l Tonne wird ein Faktur von 0,093kg/l angesetzt. Pro Tonne ca. 11,16 kg. Nach dieser Rechung hatten wir ca. 190 kg Restmüll.

Verpackungsmüll: Umrechnungsfaktor 0,029 kg/l entspricht ca. 2,0 kg je Gelbem Sack. Damit waren es bei uns ca. 79 kg.

Gesamt: ca. 269 kg Müll für einen 4-Personen-Haushalt. Das entspricht ca. 67,3 kg pro Person.

Zusätzlich noch Altpapier: 0,102kg/l * 2.400l = 244,8 kg.

Hey, gar nicht schlecht, oder? Damit liegen wir meilenweit unter dem Durchschnitt. Ein ähnlich abweichendes Bild vom Durchschnitt haben wir allerdings auch mit unserem Stromverbrauch. Ich frage mich seit Jahren, ob diese Statistiken überhaupt stimmen?

Vermutlich müssen noch sehr große Mengen aus Umlagen von Gewerbebetrieben und Industrie dazu gerechnet werden. Dazu habe ich jedoch keine Zahlen gefunden.

Wie können wir 2016 Müll reduzieren?

Mein Ziel für 2016: maximal 1 Tonne voll Restmüll im Monat, maximal ein gelber Sack in 14 Tagen. Wenn ich das mit Lauren Singers Minimalmüllaufkommen vergleiche, sind das weiterhin astronomische Mengen. Aber die Richtung stimmt 🙂

Wie wollen wir das Ziel erreichen? Mit diesen Massnahmen wollen wir unseren Müll reduzieren:

  1. weniger Windeln 🙂 Leider trügt das ein wenig, da ca. 50% der Windeln direkt in der Kita entsorgt werden. Sie landen einfach in einer anderen Tonne. Im Augenblick ist die kleine Maus auf dem Weg zum Trockenwerden. Das Trockensein würde unsere Mülltonne schlagartig entlasten.
  2. weniger Küchenabfälle (die nicht auf den Gartenkompost sollen). Das Zauberwort heisst natürlich: keine Reste übriglassen. Leider funktioniert das bisher nicht so ganz und ich bin immer wieder erstaunt, wie groß der Anteil der Essensreste im Müll ist. Trotz Kompost im Garten. Die Alternative zur grauen Restmülltonne wäre ein Bokashi. Das ist ein Küchen-Komposter, der eigentlich gar keiner ist. “Bokashi” heißt soviel wie “fermentiertes organisches Material”: er fermentiert also Speisereste binnen weniger Wochen zu Humus und organischem Dünger. Eigentlich praktisch – leider ein weiteres (und hässliches) Utensil, das im Weg steht.
  3. weniger Plunder, der entsorgt werden muss. Und da fallen mir gleich viele Dinge ein: Spielzeuge, die nach zwei Tagen kaputt sind, Haushaltshelferchen, die nicht funktionieren  und Werbegeschenke, die niemand braucht. Das einzige Problem: diese Anschaffung dieser Dinge liegt nicht in meinen Händen – sie flattern einfach ins Haus. Omas, Kindergeburtstagsfeiern und Straßenfeste sorgen regelmäßig für ungeplanten Nachschub. Das Zauberwort wäre also: mehr Konsequenz beim Ablehnen.
  4. weniger Bauabfälle: ein sich selbst erledigendes Problem in diesem Jahr. Zumindest hoffe ich das. Für alle anderen Fälle macht Kreativität für die Wiederverwendung der Reste großen Sinn.
  5. weniger Verpackungen: Hier bleibt ein gewisses Rätsel, das wir weiter ergründen müssen. Lebensmittelverpackungen haben bei uns definitiv einen geringen Anteil. Im gelben Sack landen eher sonstige Verpackungen: Füllmaterial vom Online-Shop, Umverpackungen von Kleingeräten und Einwegpackungen von Reinigungsmitteln.
  6. weniger Papier / Pappe: Auch hier geht es primär um Umverpackungen und Versandkartons. Und diese Werbeblättchen.

 

Wo waren doch gleich die Aufkleber “Keine Werbung” ???

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