Die 5 Müll-Mythen und Plastik-Recycling

Der Müllberg, den wir Deutschen produzieren, würde aufgeschüttet 18’000’000 Tonnen wiegen. Das ist nur der Verpackungsabfall, wie das Umweltbundesamt schreibt. Eine Zahl, die nur schwer begreifbar ist. Sie stammt aus dem 2015. Ich gehe davon aus, dass der jährliche Abfallberg weiter gewachsen ist. Wo stehen wir mit dem Plastik-Recycling? Und was passiert mit dem Inhalt des Gelben Sacks?

Jetzt räumen wir mit den Müll-Mythen auf. Ich stellte mir schon länger die Frage, was mit dem Inhalt des Gelben Sacks passiert. Kommt er zum Restmüll? Darf ich verschmutze Verpackungen überhaupt da rein tun oder muss ich es auswaschen? Diese und weiteren Fragen hat ein TV-Beitrag vom WDR kürzlich beantwortet. Hier sind nun die beliebtesten Müll-Mythen mit der Richtigstellung:

1. Eine Papiertüte ist umweltfreundlicher als eine Plastiktüte

Jeder kennt die Bilder des Plastikteppichs in den Weltmeeren, so gross wie Deutschland. Die Plastikteile werden von den Fischen aufgenommen und gelangen so wieder auf unseren Tisch. Das lässt den Schluss zu, dass Plastiktüten schlecht sind. Sind Papiertüten die besseren Plastiktüten, weil sie aus Zellstoff hergestellt werden und schneller verrotten?papiertüte ökologisch

Die Papiertüte sieht öko aus und hat auch einen besseren Ruf als die Plastiktüte. Die Papiertüte hat ein grosses Problem. Sie reisst schnell und darf nicht nass werden. Zudem wird mehr Zellulose für die Herstellung verwendet und wird chemisch behandelt, um die Tüte stabiler zu machen. Die Papiertüte gewinnt im Vergleich zur Plastiktüte nur, wenn wir sie 4 Mal benutzen. Und das ist aus meiner Erfahrung schwierig. Wir verwenden Plastiktüten mehrere Male oder greifen gleich zur Öko-Recycling-Tasche, die vermutlich ewig hält.

Fazit: Der Mythos stimmt nicht. Wer Plastiktüten mehrere Male benutzt, ist mehr öko als eine Papiertüte nach dem gebraucht wegzuwerfen.

2. To-Go-Becher sind Teufelszeug

Die Einwegkaffeebecher gehören zum Stadtbild wie der Fernsehturm in Berlin. Am Morgen sehen wir auf den Strassen viele Menschen mit diesen Bechern in der Hand ihren Kaffee trinken. coffee-to-go becherWenn er leer ist, landet er im Abfall. Ist der To-Go-Becher wirklich so schlecht wie sein Ruf, obwohl er aus Pappe hergestellt wird?

Die Antwort ist ein klares Ja. In Deutschland werden pro Stunde 320’000 Kaffeebecher verbraucht. Pro Jahr kommen fast 3 Milliarden Stück Einwegbecher zusammen. Neben der hohen Belastung für die Umwelt spielt ein weiterer Aspekt eine wichtige Rolle: Es werden für die Herstellung praktisch keine Recyclingpapierfasern genutzt. Der Becher landet im Restmüll. Pappe alleine macht noch keinen Becher, aus dem man trinken könnte. Er muss noch mit Kunststoff versehen werden, welches aus erdölbasierten Quellen stammt. Mehr erfährst du auf der Webseite der Deutschen Umwelthilfe. Übrigens gehört die Plastikkappe des Pappbechers ins Plastik-Recycling, nicht in den Restmüll.

Fazit: Ja, Pappbecher sind eine grosse Belastung für unsere Umwelt. Am Besten verzichtet ganz darauf verzichten und geniesst den Kaffee in einer guten Porzelan-Tasse. Der positive Nebeneffekt: Du machst eine bewusste Pause von unserem hektischen Alltag.

3. Am Ende wird eh alles zusammengekippt

Für fast jeden Abfall gibt es in Deutschland eine eigene Tonne: Papier, Glas, Alu, Essensreste, Verpackung, … Müll trennen können die Deutschen.  Es existiert ein hartnäckiger Mythos der besagt, dass am Ende sowieso alles Papier recyclingzusammengeschüttet wird, was wir mühsam trennen. Stimmt das?

Nein, dieser Mythos stimmt nicht. Der Müll wird separat verarbeitet. Aus altem Papier oder Glas wird Neues hergestellt. Von diesen beiden Rohstoffen wird das Meiste wiederverwertet. Die Rücklaufquote bei Papier liegt bei 73%. Auch der Müll aus der Gelben Tonne wird sauber nach Kunststoffe und Metalle sortiert.

4. Alles im Gelben Sack wird recycelt

Der Gelbe Sack resp. Plastik-recycling ist eine tolle Erfindung und entlastet den Restmüll sehr. Die Rohstoffe werden sauber getrennt. Kann alles im Gelben Sack wiederverwertet werden? Stimmt das?plastik-recycling Becher

Leider stimmt dies nicht. Rund 40% der Kunststoffverpackungen werden recycelt. Das ist nicht sehr viel. Schauen wir genauer hin. Recycelt können nur bestimmte Plastikarten, welche nicht als als Verbund vorliegen und nicht stark verschmutzt sind. Zum Beispiel macht es Sinn, den Deckel von der Milchpackung abzudrehen und separat in den Gelben Sack zu geben. Auch Joghurtdeckel gehören abgezogen in den Sack. Apropos Joghurt. Er muss löffelrein sein, darf wie alle anderen Verpackungen nicht stark verschmutzt sein. Was passiert mit dem Rest? Sie werden mit dem Restabfall verbrannt. Das wusste ich vorher auch nicht. Jetzt schaue ich genauer, wie ich die Verpackungen in den Gelben Sack lege.

Fazit: Es werden vom Gelbe Sack nur 40% recycelt. Der Rest wird verbrannt. Um die Recyclingquote zu erhöhen, müssen wir selbst etwas tun: Verpackungen vorher schon in Einzelteile trennen z.B. Aludeckel von Joghurt abziehen und restentleert / löffelrein.

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5. Recycling-Weltmeister Deutschland

In der EU recyceln die Haushalte durchschnittlich 28%. Unsere Recyclingquote liegt bei 68%, davon ist das Plastik-Recycling ein grosser Teil. Diese Zahl ist mit Vorsicht zu geniessen. Denn das ist das, was bei den Verwertungsunternehmen ankommt. 30-50% davon wird unverarbeitet aussortiert und verbrannt, wie wir bei Mythos 4 gesehen haben. Wir hatten selbst geschaut, wie wir mit dem Abfallberg dastehen. Unsere Müllbilanz unseres 4-Kopf-Haushalts haben wir im Artikel Unsere Müllbilanz 2015 – ist das normal? kritisch angeschaut.

Auch die Schweiz erhebt Anspruch auf den Titel Recycling-Weltmeister. Auch andere Länder wollen die Krone. Deutschland belegt Platz 1 beim Siedlungsmüll und der Verwertung. Jetzt ist nur die Frage, wie viel davon in anderen Ländern unverarbeitet verbrannt wird. Leider schweigen die Quellen darüber.

Fazit: So lange diese Recyclingquote so hoch bleibt oder sogar verbessert wird, darf sich Deutschland Weltmeister nennen. Wir müssen aber aufpassen, dass uns die Schweiz oder Österreich nicht überholt.

Video zum Thema vom WDR